Ein Haus auf der Flucht
Judith Hopf in den Berliner Kunst-Werken

Kunst zu machen, das bedeutet für Judith Hopf etwas zu tun, „von dem man keine schlechte Laune bekommt“. Der lakonische Humor der Künstlerin ist auch in Stepping Stairs zu spüren, der erstaunlicherweise ersten umfassenden Schau der documenta-Teilnehmerin in ihrer Heimatstadt Berlin. Gleich in mehreren Ausstellungsräumen des KW Institute for Contemporary Art begegnet man ihren Laptop Men-Figuren aus gefaltetem Stahlblech, die mit ihren Laptops verschmolzen sind. Wie auf Hopfs Zeichnungsserie Waiting Laptop aus der Sammlung Deutsche Bank bilden Mensch und Maschine auch hier eine unauflösliche Einheit. Unwillkürlich erkennen wir uns selbst in den stehenden oder liegenden Laptop Men, die vielleicht gerade dabei sind, ihren Facebook-Account zu checken oder die Lieblingsserie zu streamen.  

Während die Stahlskulpturen von der Seite an dünne Strichmännchen erinnern, wirken Hopfs Ziegelsteinarbeiten weitaus körperlicher. Überdimensionale Hände winken dem Betrachter zu, daneben riesige Birnen und ein Fußball, alles aus massivem Mauerwerk herausgefräst. Die wunderbar absurden Objekte wirken wie Relikte eines fehlgeschlagenen Wettbewerbs für Kunst im öffentlichen Raum. Ähnlichen Witz besitzen auch die beiden Videoarbeiten: Lily's Laptop zeigt, wie ein Au-pair-Mädchen die Abwesenheit der Gastfamilie dazu nutzt, herauszufinden, ob Laptops schwimmen können. Für dieses Experiment setzt sie ganz nonchalant die gesamte Wohnung unter Wasser. Dagegen ist OUT John Hejduks Kreuzberg Tower gewidmet. Der Bau mit seinen auffälligen Balkonüberdachungen ist ein bei Architekturenthusiasten beliebtes Ausflugsziel. In Hopfs Video hat er keine Lust mehr, angestarrt zu werden: Plötzlich wachsen ihm Füße und das Hochhaus verlässt seinen angestammten Platz. Ein paar der Balkonüberdachungen haben es dabei in den Innenhof der Kunst-Werke geschafft. Hier zieren sie zwei Fenster, die dadurch plötzlich wie Augen wirken. Dazwischen eine Tür, aus der ein roter Teppich lugt, ganz offensichtlich der dazugehörige Mund. Auch bei dieser Hommage an Hejduk setzt Hopf auf slapstickhaften Humor.
A.D.

Judith Hopf - Stepping Stairs
bis 15. April 2018
KW Institute for Contemporary Art, Berlin