Die Hauptstadt bündelt ihre Kräfte
Eine Preview der Berlin Art Week

Der Galerist und Ausstellungsmacher René Block zählt zu den wichtigsten Wegbereitern der Gegenwartskunst in Deutschland. Er war erst 22 Jahre alt, als er 1964 in Westberlin seine Galerie eröffnete  – mit der legendären Schau Neodada, Pop, Décollage, Kapitalistischer Realismus, die damals noch unbekannten Künstler wie Gerhard Richter, Sigmar Polke, Joseph Beuys oder Nam June Paik ein Forum bot. Früh engagierte sich Block auch für progressive Strömungen wie Fluxus und Happening sowie generell die Demokratisierung der Kunst. Deshalb gründete er 1966 die Edition Block, die sich auf den Vertrieb von Multiples spezialisierte. Hier war Joseph Beuys‘ Intuition, eine kleine, vom Künstler signierte Holzkiste, für nur acht Mark zu haben. Aus dieser antielitären Haltung heraus wirkte Block auch bei  Macht Kunst mit. Die Aktion zur Eröffnung der Deutsche Bank KunstHalle rief alle Künstler auf, ihre Werke im Rahmen einer 24-Stunden-Ausstellung dem Publikum zu präsentieren. Jetzt wird die Arbeit von René Block in seiner Heimatstadt gewürdigt: Im Rahmen der Berlin Art Week widmen ihm der Neue Berliner Kunstverein und die Berlinischen Galerie die Doppelschau Ich kenne kein Weekend.

Zur vierten Ausgabe der Berlin Art Week bündelt die Stadt, in der mehr als 20.000 Künstler leben und arbeiten, wieder ihre Kräfte. Neben den beiden Messen abc – art berlin contemporary und Positions, stehen ab dem 15. September zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen auf dem Programm. Die Deutsche Bank ist seit 2013 Partner des erfolgreichen Formats, das den Ruf Berlins als inoffizieller Kunsthauptstadt Europas unterstreicht.

Einer der diesjährigen Höhepunkte ist das Projekt Stadt/Bild. Nach Painting Forever! 2013 kooperieren erneut vier der führenden Institutionen der Hauptstadt: Berlinische Galerie, Deutsche Bank KunstHalle, KW Institute for Contemporary Art, Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin. Gemeinsam gehen sie der Frage nach, wie wir die modernen Metropolen, insbesondere Berlin, erleben. Für die große Halle der Berlinischen Galerie konzipierte der Architekt Arno Brandlhuber gemeinsam mit Thomas Mayfried und Florian Hertweck eine Rauminstallation. The Dialogic City: Berlin wird Berlin wirft einen kritischen Blick auf die nach der Wende entstandenen Bauten, aber auch auf nicht realisierte Entwürfe. Ausgangspunkt der von Simon Njami kuratierten Gruppenschau Xenopolis in der KunstHalle ist ein Gedanke von Roland Barthes. Der französische Philosoph postulierte, dass die Stadt zu ihren Bewohnern spricht und eine ganz eigene Sprache hat. Gemeinsam mit sechs internationalen Künstlern hat Njami diese These weiter entwickelt: Auch die Bewohner, die häufig eben nicht in diesen Metropolen geboren wurden, kommunizieren mit den Städten und verändern ihre Sprache. In Zeiten globaler Migration stellt Xenopolis Fragen nach Zugehörigkeit, Heimat und dem Begriff des "Fremden".

Um den Dschungel als Spiegelbild oder Gegenentwurf zum urbanen Raum kreist die Ausstellung im KW Institute for Contemporary Art. Neben Arbeiten von Künstlern wie Ulf Aminde, Julius von Bismarck und Loretta Fahrenholz ist in Welcome to the Jungle auch Basim Magdys My Father Looks For An Honest City zu sehen. Das 2010 in der Peripherie von Kairo entstandene Video gibt einen Vorgeschmack auf Magdys Ausstellung als „Künstler des Jahres“ 2016, die nächstes Frühjahr in der KunstHalle auf dem Programm steht.

Die Nationalgalerie begibt sich für Stadt/Bild auf die Straße: Berliner Künstler wurden eingeladen, zeitgenössische Versionen von Allan Kaprows Aktion Fluids zu entwickeln, einer Aktion, bei der 1967 in Kalifornien Skulpturen aus Eisblöcken in einem Park oder neben einer Fabrik installiert wurden. Wie Kaprow verlassen auch Antje Majewski, Ahmet Öğüt, Alexandra Pirici und Stadt im Regal mit ihren Arbeiten den Kunstkontext und konfrontieren die Öffentlichkeit ganz unmittelbar mit ihren Projekten.

Auch der Gewinner des Preises der Nationalgalerie 2015 wird im Rahmen der Berlin Art Week bekannt gegeben. Die Ausstellung der Nominierten – Christian Falsnaes, Florian Hecker, Anne Imhof und Slavs and Tatars – ist im Hamburger Bahnhof zu sehen. Fans der Fotokunst sollten sich unbedingt die Cindy Sherman-Retrospektive im me Collectors Room vormerken. Einen Kontrapunkt zu den Selbstinszenierungen der amerikanischen Künstlerin setzen bei C/O Berlin Rudi Meisels dokumentarische Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Zwischen 1977 und 1987 in West- und Ost-Deutschland entstanden zeigen sie erstaunliche Parallelen zwischen dem Leben in der BRD und der DDR. Der Schinkel Pavillon ist neuer Partner der Berlin Art Week. Wo einst Erich Honecker zum Cocktail-Empfang lud, sind seit 2007 ortsspezifische Projekte von Isa Genzken, Eva Kotatkova oder Philippe Parreno zu sehen. Aktuell bespielt Paul McCarthy den intimen, achteckigen Raum. Wie sehr die internationale Szene diesen von einem Verein betriebenen Ausstellungsraum schätzt, zeigt auch die große Charity-Auktion am 17.10.2015 bei Christie's in London, zu der prominente Künstler wie John Baldessari, Cyprien Gaillard, Katharina Grosse und Tatiana Trouvé Werke beigesteuert haben, um das Weiterbestehen des Schinkel Pavillons zu sichern.

Erneuert präsentieren sich beide Messen der Berlin Art Week: Das Design der Stände der abc wurden vom Architekturbüro June14 einem radikalen Update unterzogen. In den weitläufigen Hallen der Station am Gleisdreieck sind dieses Jahr 100 Galerien aus 17 Ländern vertreten. Zusätzlich zeigt die Ausstellung Proximities and Desires, dass es in Berlin mittlerweile auch einige herausragende Privatsammlungen gibt. Zu sehen sind hier ausgewählte Arbeiten aus u.a. der About Change Collection, der Sammlung Boros und der Olbricht Collection. Die Positions Berlin präsentiert sich nach ihrer Premiere im ehemaligen Kaufhaus Jandorf jetzt in den lichtdurchfluteten Hallen der Arena am Kreuzberger Spreeufer. 76 Aussteller aus 16 Ländern versprechen den Besuchern spannende Neuentdeckungen. Wie wichtig die Basisarbeit der Projekträume für den Kunststandort Berlin ist, unterstreicht auch das neue Art-Week-Format Xchange, bei dem sich zehn Projekträume wie District, General Public und Lage Egal inhaltlich und räumlich austauschen.

Gerade die Zusammenarbeit all dieser unterschiedlichen Institutionen ermöglicht es den Besuchern der Art Week, die ganze Bandbreite der Kunstmetropole Berlin in einem konzentrierten Programm zu erleben. Für die Deutsche Bank, die ihre KunstHalle auch als Forum der kreativen Szene der Stadt versteht, ist es von daher nur konsequent, sich für die Berlin Art Week zu engagieren.

Berlin Art Week
15. – 20. September