Kemang Wa Lehulere ist
„Künstler des Jahres“ 2017 der Deutschen Bank

Kemang Wa Lehulere, 1984 in Kapstadt geboren, ist der neue „Künstler des Jahres“ der Deutschen Bank und wird im Frühjahr 2017 in der Deutsche Bank KunstHalle in Berlin seine erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland präsentieren.

„In seinen Wandzeichnungen, Collagen und Performances setzt sich Kemang Wa Lehulere mit seiner eigenen Biographie auseinander, aber auch mit den Wunden der Gesellschaft, in der er lebt. Seine eindringlichen Bilder sind niemals nur beschreibend oder erklärend. Sie gleichen eher einem Territorium, das durchquert, verstanden, enträtselt werden soll“, erläutert Victoria Noorthoorn, die Direktorin des Museo de Arte Moderno de Buenos Aires die Wahl. Gemeinsam mit den renommierten Kuratoren Okwui Enwezor, Hou Hanru und Udo Kittelmann gehört sie zu dem hochrangigen Beratergremium der Deutschen Bank, das die Empfehlung zur Wahl des "Künstlers des Jahres" ausspricht.

Kemang Wa Lehulere lebt heute in Johannesburg und Kapstadt und zählt zu den bedeutendsten Vertretern einer jungen Generation südafrikanischer Künstler, die grenzüberschreitend in den unterschiedlichsten Genres und Medien arbeiten, um neue künstlerische Perspektiven und Erzählweisen, aber auch Formen politischer Aktion zu entwickeln.

Seine auf umfangreichen Recherchen basierenden Performances, Videos, Installationen und Kreidezeichnungen realisiert er sowohl als Einzelkünstler wie auch in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern. Dazu zählen etwa Projekte mit dem Center for Historical Reenactments, das 2010 als Ausstellungsplattform und Kollektiv gegründet wurde. Zuvor arbeitete er mit der Künstlergruppe Gugulective zusammen, die er 2006 in Kapstadt mitbegründete.

Häufig beleuchten Wa Lehuleres Werke die schwarze Geschichte Südafrikas. Sie hinterfragen, wie die Geschichte schwarzer Künstler, Musiker und Autoren erzählt und archiviert wird. Dabei unternehmen sie den Versuch, alternative Sichtweisen und neue Formen des Erinnerns zu entwickeln, um deren Werke und Biografien vor dem Vergessen zu bewahren. So erinnert seine derzeit durch Südafrika tourende Ausstellung History Will Break Your Heart auch an Künstler wie Gladys Mgudlandlu und Ernest Mancoba, der als erster moderner schwarzer Künstler Südafrikas gilt. Mancoba war in den 1940er Jahren Mitbegründer der Künstlergruppe CoBrA, wurde jedoch nachträglich aus der europäischen Kunstgeschichte herausgeschrieben.

Wa Lehuleres Zeichnungen verbinden Anspielungen auf die Zeit der Apartheid in seiner Heimat Südafrika mit vorgefundenem Bildmaterial, persönlichen Erinnerungen und Texten zu einem visuellen Bewusstseinsstrom. Besonders die großformatigen Kreidearbeiten, die er auf mit schwarzem Tafellack bestrichene Wände zeichnet, erscheinen wie Storyboards nie gedrehter Filme oder Skizzen unrealisierter Theateraufführungen. Prozesse des Überschreibens und der Neuinterpretation ziehen sich durch sein gesamtes Werk. So muten auch Wa Lehuleres Performances häufig wie Proben oder Improvisationen an. Dabei entwickelt er eine symbolische Bildsprache, die gleichermaßen historische und politische Ereignisse wie formale Fragen aufgreift. Sein Werk reflektiert, wie die Spuren von Rassismus und Ungerechtigkeit bis heute verwischt und ignoriert werden und offenbart dabei die Kluft zwischen individueller Biografie und offizieller Geschichtsschreibung.   

Kemang Wa Lehulere war an zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen beteiligt, so etwa der 8. Berlin Biennale (2014), der 2. Triennale des New Museum in New York (2012), oder der 11. Biennale de Lyon (2011). In der Deutsche Bank KunstHalle war er bereits 2013/14 im Rahmen des Ausstellungsprojekts The Circle Walked Casually mit Zeichnungen aus der Sammlung Deutsche Bank zu sehen. 2015 wurde er als “Standard Bank Young Artist for Visual Art“ ausgezeichnet. Ab dem 16. April ist seine Kunst bei der EVA International in Limerick City, Irland, und ab dem 3. Mai bei der 12. Dak’Art Biennale in Dakar, Senegal, vertreten.

Kemang Wa Lehulere ist nach Wangechi Mutu, Yto Barrada, Roman Ondák, Imran Qureshi, Victor Man, Koki Tanaka und Basim Magdy der achte internationale Künstler, den die Deutsche Bank als „Künstler des Jahres“ ehrt. Im Fokus stehen vielversprechende Künstlerinnen und Künstler, die bereits ein künstlerisch wie auch gesellschaftlich relevantes Werk geschaffen haben, das die beiden Schwerpunkte der Sammlung Deutsche Bank einbezieht: Arbeiten auf Papier oder Fotografie.

Basim Magdy: Die Sterne standen gut für ein Jahrhundert des Neubeginns
, die Ausstellung des  "Künstlers des Jahres" 2016, ist vom 29.04. – 03.07.2016 in der Deutsche Bank KunstHalle zu sehen.